Juni 4. Runde Gegen Heidegger

Im letzten Juli habe ich die erste Runde gegen Heidegger geschrieben, Minou und ich waren auf dem weg nach Freiburg und dann Venedig. Es ging um Tod und Beziehungen – nicht zuletzt meiner zu Martin. Jetzt bin ich gerade wieder auf ein Satz von ihm gestoßen in einem Text der Relevant für meine Masterarbeit ist:

Der Mensch ist ein Wesens des Abstands.

Laut Martin sind wir entfernt, von der Natur, von dem Kern des Seins (was auch immer das ist) und voneinander. Ohne diese Distanz könnten wir sie nicht Überwinden und Nah sein. Angst vor dem Tod für Mut zum Leben, Abstand als Nähe. So denkt es sich auf den selbsternannten Holzwegen am Todtnauberg:

Arnika, Augentrost, der
Trunk aus dem Brunnen mit dem
Sternwürfel drauf,

in der
Hütte,

die in das Buch
– wessen Namen nahms auf
vor dem meinen? –,
die in dies Buch
geschriebene Zeile von
einer Hoffnung, heute,
auf eines Denkenden
kommendes
Wort
im Herzen,

Waldwasen, uneingeebnet,
Orchis und Orchis, einzeln,

Krudes, später, im Fahren,
deutlich,

der uns fährt, der Mensch,
der’s mit anhört,

die halb-
beschrittenen Knüppel-
pfade im Hochmoor,

Feuchtes,
viel.

Celan hat Recht. Ein Mensch mit Seele hätte etwas gesagt, hätte sich entschuldigt, für die Nazinamen im Gästebuch davor. Ein Mensch mit Verstand hätte sich nicht nur eingestanden dass er auf dem Holzweg ist, sondern wäre lieber umgekehrt sie mit Gervierten bis zum biitteren Ende durchzuknüppeln. Ein Mensch mit Herz hätte geweint und geschmerzt, anstatt sich zu betäuben und die Augen zu trockenen.

Natürlich sind diese Organe in allen Menschen vorhanden, aber das wofür sie stehen nicht – und das ist Martins großer Fehler, auf dem ich auch im nächsten Blog zurückkomme. Es gibt etwas zwischen unter Leuten wo man das Diktat der Masse annimt und sich über Menschen zu erheben gibt. Zwischenmenschlichkeit. Zwischen-Menschen schreiben Karten der Anteilnahme, Zwischen-Menschen bewahren Taschentücher von Todesfeiern Jahrelang für ihre Freunde auf. Zwischen Menschen versuchen ihr Bestes und lassen sich nicht zwingen zwischen Tod und Leben, Kultur und Natur zu wählen sondern beides als untrennbar verbunden: ja Tod ist natürlich und Menschlich, aber Trauern und Feiern auch. Beziehungsweise genau die Verbindung ist menschlich. Zwischen Mir und Dir, Ich und Du, Uns und Euch , ist das und, und das zeichnet uns, aus: Nicht der Abstand sondern die Fähigkeit Abstande zu überwinden

Nein Martin, Menschen sind Anstandswesen, sind Freunde, sind sie Selbst durch andere…

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